365 Kiwis und eine Gudi

04Juni
2015

Bootcamp fuer Prinzessinnen

Am Anfang da haben mich manche Leute beneidet, dass ich noch mein ganzes Jahr vor mir haette und, dass die Zeit ja so rennen wuerde. Und dann nach einigen Monaten fiel mir auf, dass bei mir ueberhaupt nichts rennen wuerde und dann selbst nach 4-5 Monaten, wo die Haelfte der Zeit ja schon vergangen war, dass es sich ewig anfuehlte. Ich hatte Zeiten, da wollte ich einfach nur nach Hause und war kurz vorm aufgeben. Denn es war nicht immer schoen hier. Und nein, ich hatte nicht 1 Jahr lang Urlaub. Es war eigentlich doch ganzschoen schwer alles allein zu meistern. Und heute sitze ich hier und morgen, da werde ich Neuseeland, mein neues Zuhause verlassen. Und heute sitze ich hier und mir faellt auf, dass die Zeit eigentlich viel zu schnell vergangen ist. Und ich frage mich in welchen Monat, oder in welchen Abschnitt ich zurueck wollen wuerde und ich koennte es nicht entscheiden. Sicherlich war meine Zeit in Wellington eine der Besten, trotzdem wuerde ich sie allen anderen Zeiten und Orten nicht vorziehen.

Nachdem ich also vor einem Monat Wellington verliess, bereiste ich fuer 5 Wochen die Sued-Insel. Ich hatte etwas Sorge am Anfang, ob der Winter mich zu schnell einholen wuerde, doch es stellte sich heraus, dass fuer mich persoenlich diese Jahreszeit die Beste zum reisen waere. Die Faerbung der Blaetter, der Schnee auf den Spitzen der Bergen und die eisige Luft, kombiniert zu Sonnenschein, war eigentlich genau das, was ich am meisten genoss. Es war natuerlich kalt und ja, zwischenzeitlich kam ich dem Schnee verdaechtig nah, trotzdem hatte ich sogar noch einige Tage mit warmen Sonnenstrahlen. Einmal sogar konnte ich im T-Shirt wandern. Und ich mag gar nicht wandern, aber dieser Tag stellte sich, inklusive der Wanderung, zu einer meiner besten Tage heraus.

Auch sehr genoss ich die Reisezeit mit Max an meiner Seite, der die Sued-Insel schon bereist war und sich als prima Tourifuehrer rausstellte. Es war schoen, nachdem ich Wellington, welches sich als mein neues Zuhause anfuehlte, verliess und nun wieder allein auf mich gestellt war, einen Freund und Helfer and meiner Seite zu haben. Fuer unsere gemeinsame Reisezeit bin ich sehr dankbar.

Als er mich dann also fruehzeitig verliess, hatte ich noch zwei Wochen ueber, in welchen ich die Westkueste alleine bereiste. Nun bin ich wieder in Christchurch und werde auch von hier nach Thailand fliegen. Und ich bin ganzschoen aufgeregt auf morgen und auf am Strand sein.

Ich bin so dankbar, dass ich diese tolle Chance warnehmen kann, Teile der Welt zu bereisen, aber ich bin echt muede. Ich bin muede, zu reisen. Ich moechte sehr gerne wieder Zuhause sein und ein bisschen von meinen Routinen zurueckbekommen. Denn das ist das, was ich mit am meisten vermisst habe. Das Problem ist nur immer, dass man die Routinen gar nicht schaetzt und warnimmt. Es sind ja schliesslich Routinen. Und Routinen sind Routinen, also geht man nicht sonderlich achtsam mit ihnen um. Und das habe ich auf jeden Fall gelernt, dass man alles schaetzen sollte, was einen umgibt. Und das nehme ich mir fest fuer meine Zukunft vor, noch mehr zu filtern, was mich umgibt und was meine Mitmenschen mir vermitteln. Denn diese ganzen kleinen Dinge sind das, was den Tag zu einem Ganzen machen. Und das sind die Dinge, welche einem am Ende des Tages gluecklich machen. Und gluecklich sein, ist und sollte ein hohes Gut sein.  Es zaehlt nicht, ob andere Personen am Ende des Tages gluecklich mit deinem Tag sind, ganz allein du musst damit zufrieden sein, was du vollbracht hast. Das heisst nicht, dass es nicht schoen ist, Glueck zu teilen. Dies ist noch ein viel hoeheres Gut. Trotzdem sollte alles aus einem selbst starten und alleine existieren koennen. Das ist so wie ein Buch mit Woerter, die eine Geschichte ergeben. Das Buch ist immer noch ein Buch, auch ohne Woerter. Das Buch wird so viel schoener, wenn es mit Woertern gefuellt wird, denn dann wird eine Geschichte draus. Und ich fuelle mein Buch mit dem Menschen, die mich hier fast 12 Monate umgeben und begleitet haben. Sie fuellen das Kapitel: New Zealand - Bootcamp fuer Prinzessinnen.

Das soll es fuers erste fuer Neuseeland gewesen sein, ich hoffe ich finde Zeit und die Moeglichkeit, meinen Thailand-Trip hier auch auffassen zu koennen.

29April
2015

Wenn du von Zuhause weg musst

 

Und dann sind 5 Monate auch mal sehr schnell vergangen. Und ich bin irgendwie hier nicht eingegangen mit der Zeit, sondern doppelt aufgegangen. Ich fühle mich so viel stärker für alles, was vor mir liegt. Und das bedeutet, dass ich hier herzlichen gern gelebt habe. Und ob es gut war, hier so lange zu bleiben? Und ein Leben anzufangen? Das weiß ich nicht, ich würde sagen , dass es alles wert war. Und lernen tut man immer. Und neue Seiten vom Leben sieht man auch immer. Gester war mein letzter Arbeitstag  und es war ein guter Tag. Ich würde sagen einer meiner Lieblingsarbeitstage sogar. Ich habe so viele gute Stammkunden mittlerweile, dass es sich sogar anfühlt, als seien sie meine Freunde. Lustigerweise kamen viele von ihnen gestern und ich konnte mich von ihnen verabschieden. Und dann kam noch der Barista vom SproosGoos (das fancy Restaurant hier am Strand), der definitiv weiß, wie guter Kaffee schmeckt. In seinem Gesicht sind Narben, und er guckt manchmal ein bisschen verkniffen. Trotzdem ist sein Gesicht hübsch und er ist sehr freundlich. Er kam heute das zweite Mal, nachdem ich das letzet mal einen Kaffee für ihn gemacht hatte und nun unbedingt wissen wollte, ob dieser gut gewesen sei. Er hatte ihn nicht trinken können, weil er arbeiten musste. Heute trank er dann noch einen. Und er mochte ihn. Er mochte den Kaffee, den ich gemacht hatte. Und das war so ein erste Sahne Gefühl, nachdem ich so viel Abwaschwasser produziert hatte. Nach all der Mühe, mir halbwegs selbst beizubringen, wie man diese dumme, altertümliche Espresso Maschine benutzt, ein so positives Feedback zu bekommen. Und auch der Busfahrer sagte mir heute, dass ich mich so verbessert hätte. Seine ewig langen Geschichten sind so anstrengend anzuhören und manchmal lächel ich ihn nur an, weil ich ihm gar nicht mehr folgen kann. Aber ich möchte auch gerne, dass er sich nicht alleine fühlt. Und wer war zu erzählen hat, sollte auch etwas erzählen dürfen.

Eine besonderes Ereignis war der ANZAC-DAY am Samstag. Gedenkt wurde den Opfern des 1.WK. Den Soldaten, welche von Neuseeland und Australien aus nach Gallipoli starteten. Und es fielen 18.000 von ihnen. Nichts was mich persönlich betrifft. Aber bei der Andacht am Kriegsdenkmal, bei denen diese Musikgruppen ihre Märsche spielten, wurde ich irgendwie so traurig. Ein so dankbares trauriges Gefühl. Das ich so viel Glück habe, zu dieser Zeit zu leben. Und nicht meine Brüder verliere, weil diese im Krieg kämpfen müssen. Aber es gefällt mir so gut, wie doll es aufgeblasen wurde dieses Jahr, dass man ja nicht wagt, die gefallenen Soldaten vergisst. Und das ist auch richtig so. Sie sind der Preis für unsere Freiheit. 

Und das wird jetzt auch mein letzter Blogeintrag aus meinem geliebten Wellington sein. Am Sonntag verlasse ich diese charmante Stadt. Und dann gehts wieder los mit den Abenteuer. Und ich bin dankbar, dass ich welche vor mir habe. Weil ich so ungern von hier gehe. Und mich das auffängt, bevor ich in ein Loch falle. Und noch besser, ich habe das alleraller Beste auch noch vor mir. Endlich wieder daheim zu sein.

 

10April
2015

Ich kann's kaum glauben..

 

 

Ja ich kann es nicht glauben. Fühlt sich so an wie früher, wenn man erfahren musste, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt. Ich wusste gar nicht was schlimmer war, dass die Mama einen ja offensichtlich über so eine lange Zeit angelogen hatte oder, dass es den Weihnachtsmann gar nicht gab. Man ist also völlig erschüttert, in jeglicher Hinsicht. Wie hatte man sich so lange täuschen lassen können? Aber auch freute man sich darüber, dass man ja jetzt mehr als der kleine Bruder wissen würde. Und so fühle ich mich jetzt auch. Ich kann gar nicht glauben, dass meine Zeit hier abgelaufen ist, wie konnte das so an mir vorbei ziehen? Nicht, dass ich Zeit verschwendet hätte, aber trotzdem macht es mich traurig, nicht mehr alles vor mir zu haben. Der Zauber ist weg. So wie damals beim Weihnachtsmann. Aber ich freue mich auch, sehr sogar. Auf mein Bett, und meine Klamotten. Nicht, dass ich schöne und teure Kleidung daheim habe, aber immerhin eine Auswahl. Und nicht gezwungen sein, ein bestimmtes Kleidungsstück zu tragen, weil es halt gar keine Option gibt. Das scheint so lächerlich, selbst wenn ich es nur schreibe. Aber ich lerne auch so viel daran. Nämlich Regen no.2 des Lebens – LERNE DEIN LEBEN ZU SCHÄTZEN. Und das am besten immer und nicht die kleinen Dinge vergessen. Ich beklage mich keineswegs, denn ich hab die Zeit meines Lebens, und könnte mich kaum glücklicher schätzen. Und das macht mich wiederum so traurig. Dass ich mein Leben hier bald zurücklassen muss. Schließlich habe ich hier ein neues oder besser gesagt ein zweites Leben aufgebaut. Aber ich freue mich auch so sehr auf mein altes Leben, all die wunderbaren Menschen, die ich täglich missen musste. Der Preis ist für ein zweites Leben auf der anderen Seite der Welt war extra hoch.

Hier ist jetzt Herbst, aber zum Glück nicht Herbst. Es nicht mehr so knallig heiß, aber immer noch warm auch wenn es regnet. Fast tropisch manchmal. Ich freue mich sehr auf die Reisezeit, die nun nach so langer Zeit hier wieder vor mir liegt. Die ganzen tollen Eindrücke, die einen berauschen und die Bilder und Erinnerungen, von welchen man so lange zehren kann. Nach mehr als 4 Monaten durcharbeiten mit maximal einem freien Tag und 2 Jobs, bin ich mehr als bereit. Es ist ja nicht anstrengend, die Arbeiten, die ich verrichte, aber es ist so stetig. Und es bewegt sich nicht. Und mein Gehirn braucht Bewegung. Und möglicherweise bin ich etwas ausgeglichener nach 8,2 Monaten, aber immer noch habe ich unzählige Hummeln im Po und kann nicht nur den gleichen Ablauf wieder und wieder erleben. Ein Freund meines Chefs, der manchmal dort an den Computersystemen arbeitet, sagte mir, ich sei so „ausgeglichen“. Aha, ausgeglichen also, das wäre mir neu. Es ist interessant, was wir für Eindrücke auf Menschen hinterlassen, die einen gar nicht richtig kennen.

Naja jedenfalls geht das hier alles dem Ende zu und bald schon sehe ich endlich meine Lieblingsmenschen wieder. Mein Plan für die Süd-Insel ist so, dass ich auch dort noch abreiten werde für meinen neuen Zweitjob, jedoch nur für ein paar Tage. Da wird nämlich eine helfende Hand benötigt und für mich ist das eine gute Chance, die letzte Flocke ans Land zu holen. Und sonst geht’s nämlich ab Mai nur noch auf Entdecker-Tour.

Aber immer noch ist das Glück auf meiner Seite und ich bekomme so viele gute Momente an denen ich wachsen kann, seien sie auch manchmal aussichtlos. Ich hätte niemals gedacht, dass ich mich so täuschen kann. In mir selbst nämlich. Man sagt immer, man kenne die Personen in seinem Umfeld nicht, seien sie noch so nah. Aber das stimmt gar nicht, denn wir kennen uns nicht mehr selbst. Und während wir uns also kennenlernen, verändern wir uns schon wieder. Das ist eine ewig lange Reise und manchmal finde ich es erstklassig. Manchmal auch nicht.

Meine Kinder, ich sehe euch schon bald wieder und trotzdem kann ich es kaum erwarten.

22Februar
2015

Es ist schon Ende Februar

Hab ganz vergessen, euch alles zu erzählen upsi.

Na was ist denn so passiert. Okay gerade gecheckt mein letzer Eintrag war vo einem Monat. Ich beendete also den Januar, das war einer der besten Monate bezüglich des Wetters in Wellington seit Jahren, sagte man mir. Na ich fands gant nett, einen Monat lang am Stück schönes Wetter zu haben. Dann begann der Februar, der ist eigentlich auch recht freundlich bis heiß, nur manchmal da ist es bewölkt, was hier gerne auch mal ins schwarze geht. Und ja, dann regnet es auch. 

Eines der Highlights im Februar war definitiv das Rugby Spiel "Sevens", zu welchem ich sehr spontan und mit Freikarte hingegangen bin. Hier in Neuseeland da sind die Leute einfach ein bisschen cooler. Bei den "Sevens" ist es Brauch, sich zu verkleiden, und da machen dann auch alle mit. Nicht so wie in Deutschland, da fühlt die Häflte sich zu cool, dabei ist verkleiden doch erste Sahne. Verstehe ich nicht so gut. Aber jedenfalls hier zu diesem Event war jeder, wirklich jeder verkleidet. Ich habe in letzter Minute noch ein Geisha Kostüm von meiner Mitbewohnerin, mit welcher ich dort hingegangen bin, inklusive ihrer Freunde, bekommen. Top sexy, dass kann ich euch versichern. War nur unglaublich kalt, als die Sonne dann irgendwann untergegangen ist in diesem japanischen, recht schnittigen Mäntelchen. Danach geht man feiern, dafür wird sogar die ganze Instadt gesperrt. Na ich musste am nächsten Tag arbeiten, meine Nacht endete mittelspätfrüh. 

Das ist eigentlich auch schon eines meiner Hauptbeschäftigugngen, zu arbeiten. Einen freien Tag habe ich in der Woche, der ist immer montags. Und darum mag ich Montage sehr viel mehr als früher. Es ist manchmal anstregend, fast jeden Tag zu arbeiten, aber es macht auch viel Spaß, weil ich mittlerweile einen minimalen Kundenstamm aufgebaut habe. Außerdem werde ich fürs plaudern mit Leuten bezahlt - könnte schlimmer sein. Und dafür bezahlt jeden Tag neue Freundschaften zu schließen und interessante Leuten kennezulernen.

Aber ich muss auch sagen, dass ich wirklich Glück habe mit meiner Wohhnung. Ich habe das Zimmer damals eigentlich ausgesucht, weil ich hier auf unbestimmte und oder auch kurze Zeit einziehen konnte. Ich hatte also keine Alternative und habe mich sofort für dieses Zimmer entschieden. Jetzt stellte sich heraus, dass ich es eigentlich nicht besser hätte treffen können, da ich mich prächtig mit meinen Mitbewohnern verstehe. Das ist natürlich kein Vergleich, mit meiner Familie zu Hause zu leben. Da kann ich immer ganz laut "Maaaaamaaaaaa" schreien, wenn ich mich geschnitten habe oder der Kühlschrank leer ist. Das geht hier nicht, aber trotzdem passt man gegenseitig auf sich auf und lebt einfach zusammen. Ich fühle mich hier sehr wohl. Das fühlt sich gut an. Habe mich deswegen entschieden, dass ich Ende Mai hier erst die Fliege machen werde, und dann einen Monat auf der Südinsel reisen werde. Hat mich irgendwie ewig gekostet, diese Entscheidung zu treffen, weil ich immer irgendwie auf das gehört habe, was man erwartete von mir..."jaaa auch Zeit auf der Süd Insel zu verbringen", weil es dort ja so schön sei. Ist es auch. Aber ist es auch, wenn ich ein Monat statt zwei dort verbringe. Und deswegen habe ich mich ja damals entschieden, alleine zu reisen, um zu machen was ich will. Und das mache ich jetzt auch. Nämlich glücklich sein. Und so lange hier bleiben, wie ich will.

Hab' meine Rückflüge letzte Woche bekommen. Ich gönne mir noch zwei Wochen Thailand und 3 Tage Dubai auf dem Rückweg, aber dann könnt ihr bitte alle am 23.06.2015 um 19.40 am Flughafen sein und mit mir dort 'ne Party machen. Ich kanns kaum erwarten.

22Januar
2015

Da lebt man so daher...

Ich weiß nicht, ob ich nicht mehr so oft schreibe, weil ich irgendwie immer arbeite oder weil ich denke, dass es nicht interessant ist. Dass es nicht interessant ist denke ich, weil man sich so an sein Leben hier gewöhnt und vergisst, dass es ja trotzdem total anders ist, zu dem was Zuhause so weiterläuft.

Ihr hört es nur sehr ungern, aber das Wetter hier ist endlich supi. Hat auch lange genug gebraucht, bis es Sommer wurde. Ich will mich jetzt nicht beschweren, aber obwohl ich meinem Körper mittlerweile schon Sonnencreme tanke und das dreimal täglich, habe ich trotzdem immer Sonnenbrand. Verrückt, sage ich euch.

Heute ist Tequila-Thursday. Seitdem Weston, er kommt aus Michigan und ist seit 1nem Monat in Neuseeland, im Recyclingsshop angefangen hat zu wwofen, gibt es jetzt nur noch Mottotage. Am Dienstag war Tacko-Tuesday und gestern war WaitWatchers-Wednesday. So wird es auch nicht langweilig! Es ist irgendwie cool, immer neue Freunde für wenigstens 1-2 Wochen zu bekommen, wenn neue Wwofer kommen. Und Weston zum Beispiel, bei dem  ich erst dachte, dass er "Wester" geschrieben wird, der ist wirklich sehr lustig und sein us-amerikanischer Einfluss und Humor ist erfrischend.

Mein Job läuft eigentlich ganz gut. Ich verrsuche jeden Tag wunderschöne Bilder mit der Milch zu zaubern und das ist ganzschön schwer. Manchmal wird das gewünschte Blatt zur Atomwolke oder es sieht aus wie ein Zellhaufen. Zum Glück sind wir ja ein Take-away Stand, also verstecke ich mein Versagen immer unter den Deckeln der Becher. Macht aber trotzdem Spaß, jeden Tag mehr feste Kunden zu bekommen und dem perfekten Kaffe näher zu kommen. Ist nur manchmal ein bisschen langweilig, wenn nicht so viele Leute Kaffee trinken möchten, wie ich es gern hätte und ich da sitze und mir in der Nase bohre. Na eigentlich nutze ich die Zeit dann immer irgendwie, um noch brauner zu werden oder ich lese..oder ich plaudere stundenlang mit Kunden. Jeden Tag kommt der Busfahrer nämlich vorbei, der eigentlich Fahrlehrer für Pkw und Busse ist, und mit diesem plaudere ich dann zum Beispiel eine Weile. Er ist ein bisschen schwer zu verstehen, weil seine Stimme etwas hoch ist und sein Akzent schon doch sehr neuseeländisch ist. Manchmal kauft er auch ein Kaffee, an Tagen an welchen er seine Lieblingsfahrschülerin ausbildet, welche wohl gar kein Plan von irgendetwas nach selbst 40 Fahrstunden hat. Dann sagt der Busfahrer "Ach heute brauche ich einen richtige starken Kaffee. Was nehme ich denn mal? Oh ein Cappuccino mit extra viel Kakao bitte!". Bin mir sicher nach so viel Milchschaum ist er nicht beim Busfahren eingeschlafen. Ich schätze er ist so 60 Jahre alt und erinnert mich ein bisschen an meinen eigenen Fahrlehrer aus Deutschland, den Hubertus Lemke.

Eine etwas andere Busfahrer-Begegnung hatte ich letzten Sonntag. Nachdem ich extra früh zum Markt gefahren ware, bevor der Arbeit, und natürlich, deutsch und organisiert wie ich bin, meinen Rückweg geplant hatte, also genau wusste, welchen Bus ich nehmen müsste, um rechtzeitig nach Hause zu kommen, um dort direkt zur Arbeit durchzustarten, wurde mir erneut gezeigt, planen hilft hier in Neuseeland nicht. Ich steh also, 15 Minuten bevor der Bus ankommen sollte, an der Haltestelle, und warte geduldig. Na gut, der Bus kommt nicht pünktlich -  macht ja nichts, ich hab das ja berechnet, während meiner Vorbereitung am Voraband, dass Busse auch mal zu spät kommen. Plötzlich kommen drei Busse auf einmal,  mein Bus, die Nummer 3, ganz am Ende aller Busse. Ich und ein anderer Mann, wir beginnen also in Richtung des Busses zu gehen. Dieser beginnt wieder zu rollen. Ich dachte mir, wie nett, er kommt uns entgegen. Nein falsch, er fuhr nun einfach davon. Ich pöbelte erst laut und begann dann zu rennen, als mir klar wurde, dass ich  es  nicht pünktlich zur Arbeit schaffen würde und außerdem hielt der Bus glücklicherweise an einer roten Ampel. Der andere Mann und ich wir rennen nun also dem Bus hinterher, ich mit einem Rucksack voller Früchte und Gemüse und mit einer Ananass in der Hand bewaffnet, und wir klopfen an die Tür mit einem bittenden Gesicht, dass er doch bitte die Türe öffnen könne. Nein der dumme Busfahrer schüttelte nur den Kopf und ließ uns nicht rein. Na herzlichen Glückwunsch. Sauer und geladen wie R 93 (beste Grüße an meinen Papi!) war ich und stapfte nun also wieder zurück zur Bushaltestelle. Ich suchte dann dermaßen hektisch nach einer Alternativroute, da "die nächste Nummer 3" erst wieder in 20 Minuten fahren würde, welches beinhaltete, dass ich zu spät zur Arbeit kommen würde. Glücklicherweise fuhr noch ein anderer Bus etwas später und mit einem Supersprint zum Haus, um mein Radel zu holen, um in Lichtgeschwindigkeit zur Arbeit zu fahren, schaffte ich es dann irgendwie noch. Aber ich mag kein Stress am Morgen, vor allem nicht, wenn ich denke, dass ich alle Dramen ausschließen kann. Außerdem fiel mir dann ein, dass der Weg nach Hause vom Fischmarkt immer viel unkomplizierter war, obwohl man da immer noch den Restalkohol im Gehirn hatte und eine Partynacht hinter sich hatte. Trotzdem erinnert mich der Sonntags Markt in Wellington immer an den Fischmarkt daheim. Diese Stimmung morgens, und die ganzen Früchte- und Gemüsesorten, die von der Morgensonne angeleuchtet werden. Aber es gibt hier in Neuseeland keinen Bananen-Bernd oder wie der heißt. Da kann man nämlich im Heimatland für 10€ n ganzen Korb überreife und fast nicht mehr genießbare Früchte inklusive Korb ergattern haha. Dennoch ist es viel günstiger, wenn ich mein Obst und Gemüse hier auf dem Markt kaufe, weil im Supermarkt geht es gerne mal ins unschwingliche.

Ein weiteres Highlight der letzten Woche war, als ich bei der Post, gerne Briefe verschicken wollte und mir dann von einem indischen Mitarbeiter dort anhören musste, dass das ein Paket sei. Ich war 100% sicher, mit jeglicher Gewalt hätte ich den Brief in den Briefkasten bekommen. Also fing ich ein bisschen an zu diskutieren, naja eher fragen, ob er sich denn sicher sei, ob ich das nicht als überdimensionalen Brief schicken könnte. Nein nein, er wollte nicht mit sich reden lassen. Ich musste also $20 für einen blöden Brief zahlen. Bei dieser Diskussion und Abzocke blieb der Inder total ruhig, ausgeglichen und professionell, um mir dann am Ende zu sagen, wo kommen sie denn her, ihr Englisch, das  sei sehr gut! Na ganz herzlichen Dank, nachdem du mich hier kriminell über den Tisch ziehst, erzählst du mir mein Englisch sei gut. Bedankt und gelächelt habe ich na klar, war auch eigentlich nicht böse, schließlich macht der gute Mann ja nur sein Job. Dachte nur er hilft mir, bei meiner Mission, Geld zu sparen und den ja doch schon sehr dicken Brief als Brief durchgehen zu lassen.

Na und ich muss mir jetzt mal überlegen, wann ich wie nach Hause fliegen werde. Und irgendwie überlastet und überfordert mich dieser Prozess, weil ich gar nicht weiß, wie und wann und was. Und warum ist die Zeit eigentlich schon gekommen, dass man sich Gedanken über den Rückweg machen muss?

06Januar
2015

Kinder, das neue Jahr ist schon 6 Tage alt

Silvester war unspektakulär und meine Erwartung zu hoch. Aber dafür war der 1. Januar doppelt supi, weil das Wetter nämlich gut war und ich am Strand war. Und ich trotz Sonnencremenbad ein bisschen Sonnenbrand hatte. 

Und unser Projekt  - Carlito's - läuft jetzt endlich und wir machen täglich guten Kaffee und gewinnen Freunde und Dauerkunden. So ist jedenfalls der Plan. Mal sehen wie sich das entwicklen wird. Aber ja, ich bin jetzt ein richtiger Barista. Also Baristarin.

Und ich fühle mich so viel besser. Ich bin jetzt schon mehr als ein Monat hier in Wellington. Und mir kam es anfangs soo unglaublich ewig vor und ich wollte einfach nur flüchten, selbst wenn es ins deutsche Mistwetter gewesen wäre. Aber zum Glück war ich keine Pussy und hab es durchgehalten und jetzt finde ich das irgendwie richtig cool von mir. Aber ich vermisse Lexi ganzschön doll. Als sie mich zu Weihnachten angerufen hat, um mir zu erzählen, dass ein Foto von uns beiden in der bekanntesten Pferdezeitschrift Neuseelands ist, hab ich mich total gefreut, sie zu hören. Aber irgendwie habe ich auch gemerkt, wie schnell sie sich weiterentwickelt hat und ich konnte das gar nicht miterleben.

Und ich kann gar nicht fassen, dass ich schon die Hälfte meiner Zeit aufgebraucht habe hier. In gut 6 Moanten bin ich schon wieder daheim. Wo mein Bett genau so ist, wie ich es gerne mag. Und ich nicht auf dem Boden schlafe - wobei ich sagen muss, dass ich gerne hier in meinem kleinem Raum lebe. Meine Mitbewohner sind alle total cool drauf und was ist schon 3 Monate aufm Boden schlafen, wenn ich dafür mein restliches Leben eine Prinzessin sein kann.

Aber was ist eigentlich das restliche Leben? Warum planen wir eigentlich unser restliches Leben, wenn wir gar nicht wissen, was passiert? Warum basteln wir uns immer ein Bilderrahmen für unser Leben und das was wir planen, wenn unser Bild eigentlich nicht mal aus Bleistiftstrichen besteht sondern aus Kreide auf einer großen Straße, wo der Regen im Nu alles wegwischt und Autos und Menschen drüber laufen und es nicht mal merken. Irgendwann sieht man gar nichts mehr von uns. Irgendwann wird jeder vergessen, das ist alles nur eine Frage der Zeit. Warum sind wir eigentlich nicht mutig genug, einfach zu machen? Warum bin ich eigentlich nie mutig genug, einfach zu machen? Je mehr ich drüber nachdenke, desto schlimmer wird es eigentlich. Also sollten wir dann doch einfach machen? Ich denke dann immer, dass ich keine kurzatmigen Entscheidungen treffen will, um nichts zu bereuen.

Und warum weiß ich eigentlich immer noch nicht, was ich studieren werde? Wann finde ich das eigentlich endlich heraus?

24Dezember
2014

FROHE WEIHNACHTEN!!!!!!

 

 

Meine lieben Kinder,

ich wünsche euch nur das Beste und Schönste zu Weihnachten. Ich hörte, das Wetter sei nicht allzu weihnachtlich in Deutschland. Macht nichts, ich sende Sonnenbrand und Geruch von Sonnencreme, damit es nicht so schlimm ist.

Und selbst wenn ich so weit weg bin, macht das gar nichts, weil Weihnachten ist ja das Fest der Liebe und Liebe habe ich ganz viel für euch alle und ich denke an alle und darum ist es eigentlich wie immer, bloß besser.

Die letzten Wochen hier waren so verschieden, von ganz super gut und lehrreich bis abgefuckt und unerträglich. Aber ich habe mir jeden Tag selbst in meinen Arsch getreten, weil am Ende ist immer ein Licht. Und manchmal muss man halt durch den Dreck krabbeln. Ich meine machen die bei der Bundeswehr ja auch, und kriegen dann viel Geld vom Staat. Oke der Bundeswehr bin ich noch nicht beigetreten, aber aus zwei Wochen „wwofing“ entwickelte sich ein fester Job. Mit richtigem Geld, welches mir erlaubt in einer WG zu leben. Ganz schön aufregend. Die Bewohner sind alle sehr nett und ich glaube, dass ich mich hier ganz wohl fühlen kann, wenn ich mit denen zusammen wohnen werde. Williams Akzent ist so stark, dass ich ihn nur sehr schwer verstehen kann. Daraus entwickelte sich die Idee, dass er seine Sätze in den Google Translator eingibt und die freundliche Dame, welchen eine außerordentlich hinreißende melancholische Betonung hat, dann für mich vorliest. Also ich würde meinen, meine Mitbewohner haben den gleich stumpfen Humor wie mich.

Während ich „gewwofet“ habe, lernte ich Mathilde kennen. Sie war auch ein „wwofer“ und ist aus Frankreich. Es war so schön mit ihr Zeit zu verbringen, weil wir uns so einig waren. Und das hat mich dann schnell aus meinem Loch geholt irgendwie. Und auch Linus, welcher aus Schweden kommt, hat irgendwie eine ganz besondere Art. Aber eigentlich auch Yam und Abraham. Irgendwie sind die alle richtig supi und geben einem das Gefühl, nicht alleine zu sein. Ich bin sehr dankbar, dass ich so tolle Menschen gefunden habe.

Die Arbeit an sich war nicht wirklich, wie man sie erwartet auf einer „organischen Farm“, aber das macht nichts, weil man überall lernt. Und ich habe entdeckt, wie gerne ich Overalls trage. Die sind oberspitze. Und eine total tolle Erfahrung ist es auch, ein Business von ganzen unten aufzubauen. Und auch wenn ich telefonieren hasse, war es eine gute Übung für mich, so zu tun, als verfüge ich Business-Englisch, und unzählige Telefongespräche mit dem „council“ (das ist die Verwaltung von Wellington) zu führen. Einmal musste ich mir anhören, mein Akzent sei zu stark und ich solle doch bitte lieber eine email schreiben. Einmal von 50 Telefongesprächen. Und was ich lernte ist, dass es mir egal ist und der sich selbst emails schreiben soll, wenn er die gerne bekommt.

Eigentlich bin ich irgendwie viel zu verwirrt, um einen ordentlich Text zu schreiben. Ich glaube mein Gehirn befindet sich gerade so in einem Zwischenmodus, wo ich mich selbst frage, was ich eigentlich im Leben erreichen will und was ich eigentlich schon erreicht habe. Wenn man sich selbst fragt, was seine Schwächen, Stärken und die Chancen sind, die man hat und nutzt, dann fällt einem auf, wie wenig man sich selbst kennt. Ich habe immer nicht verstanden, wenn mir Leute, die ich hier in Neuseeland getroffen habe, sagten, dass sie hier seien, weil sie sich selbst gerne kennenlernen wollen. Dachte ich mir, ja dann triff dich doch mal aufn Kaffee mit dir selbst. Aber das ist eigentlich ganzschön smart, sich selbst in eine ungewohnte Umgebung zu setzen, um seine Grenzen zu finden und zu fühlen. Mir war eigentlich nie klar, wie wichtig fühlen ist. Wenn man darüber nachdenkt, wird einem zum Beispiel klar, dass wir so abhängig sind von Gefühlen, wenn man sieht wie abhängig Menschen vom Wetter sind. Ich frage mich, ob man sich von allem frei machen kann. Und ich glaube nein. Das sind alles so unausgeführte Gedanken. Und das verbraucht so viel Kapazität, dass ich nicht so richtig normal denke und nur wirre Gedankenblitze habe.                                                                                                            

Aber zu wissen, dass das Einzige, was wir haben, Zeit ist, macht mir dann doch wieder Druck, eine Lösung zu finden. Die ich gar nicht finden kann, weil man sowas nicht findet. Sowas fühlt man. Glaube ich. Deswegen sollte man sich dafür Zeit nehmen, sich bloß seine Zeit nicht rauben lassen. Die ist so schrecklich wertvoll.

Es ist halb Zwölf mittags, wir schreiben den 24.12.2014, die Sonne dreht ganzschön durch und ich freue mich schon auf die Bescherung morgen früh, wenn ich mit meiner Familie Weihnachten deutscher Zeit über Skype feier‘.     

Nur das Beste und viel Liebe für euch!

07Dezember
2014

Ein Essay über Recyling in Neuseeland

 

Es ist morgens. Ein wenig Licht fällt schon in den trockenen Sicherheitsbereich, in welcher das wertvolle Gut wartet. Es ist nur noch für eine Sache bestimmt. Es hat sein ganzes Leben darauf gewartet und wurde quasi nur dafür geboren. Es hat Glück, denn in anderen Ländern herrschen andere Sitten, es gelten sogar Gesetze, welches ihr Lebensziel stark beeinträchtigen können.

Doch heute ist der große Tag. Die Sonne ist nun schon fast aufgegangen und der Raum ist nun so hell, dass man es deutlich erkennen kann. Manche Bereiche reflektieren das Sonnenlicht und die Sonne wärmt die Räumlichkeit langsam auf. Man hört Schritte und ein leises Klicken auf welches ein elektronischer Motor anspringt. Dieser macht es möglich die Tore zu öffnen. Die Tore ins freie, die Tore, welche den Weg zur Perfektion ermöglichen. Die Garagentore. Eine große Gestalt packt die großen Aufbewahrungskisten vorsichtig an und bringt sie auf bereits wartenden Anhänger. Draußen am hellen Tageslicht kann das Gut nun auch eindeutig erkannt werden. Es ist Müll. Gesammelte Milchflaschen aus Plastik, Bier- und Weinflaschen aus Glas, sehr viel Papier und Pappe. Dies wurde liebevoll in Kartons aus dem Supermarkt verstaut, um den Müll bis zu ihrem speziellen Tag aufzubewahren.

Der Motor der Zugmaschine läuft bereits und verbreitet einen lieblichen Duft in der Morgenluft. Es sieht fast mystisch aus, wie der Rauch den Müll einhüllt und wirkt dazu auch noch feierlich. Aber so war es auch immer geplant, denn dieser Tag ist schließlich besonders.

Nun geht es los. Durch das tiefe Gras um die Ecke gefahren, und dann ist der Ort der Feierlichkeit auch schon erreicht. Es handelt sich hierbei um eine Örtlichkeit, in welchem besonders im Frühling viel Arbeit und Zeit investiert wird, um diesen für den Sommer vorzubereiten. Denn dann wird dort oft Zeit mit den Liebsten verbracht. Aus diesem Grund gibt es auch kein besseren Ort, diesen besonderen Akt hier zu feiern.

Die Gestalt wirft nun alle Kartons recht grob auf einen auserwählten Platz im Garten und man könnte fast meinen, er wolle es schnell erledigen, fast als würde er die Wichtigkeit dieses Jobs nicht wahrnehmen. Vielleicht hat er es aber auch schon so häufig vollbracht, dass es für ihn nichts mehr besonderes darstellt.                                                                                                    

Nun holt er recht schnell das Hauptwerkzeug aus seiner Tasche. Dieses funktioniert aber nur kombiniert mit einem besonderen Elixier. Auch dies wurde fachgemäß auf den Anhänger verstaut. Nachdem sichergestellt wurde, dass das Werkzeug einsatzbereit ist, greift er auch schon zu seinem Elixier. Es trägt einen deutlich erkennbaren Geruch und ist in vielen Ländern die letzten Jahre sehr teuer und wertvoll geworden. Es handelt sich hierbei um Kraftstoff.  Die Gestalt gießt es mit einer lockeren Handbewegung über den Haufen von Müll. Nun ist es soweit. Das Werkzeug, welches aufgrund eines ausgetütchtelten Systems eine kleine Flamme erzeugen kann, wird hervorgeholt und zündet nur ein kleines Stück Papier an. Die Gestalt weiß genau, Sicherheit wird großgeschrieben und er will sowohl sich als auch Mutter Natur nicht in Gefahr bringen. Dieses kleine Stück Papier wirft er nun liebevoll auf den Haufen und mit einer Welle von Energie brennt nun der Haufen. Es ist majestätisch. Die Feuerflammen lecken an ihrem Futter und erzeugen einen unverkennbaren Geruch. Der Geruch von Liebe, der Geruch des guten Gewissens. Es dauert nun ca. 25 Minuten bis die Festlichkeit  vorbei ist. Die Gestalt, welchen ihren Job gewissenhaft ausführte, hat sogar so viel Vertrauen in die Zungen des Feuers, dass sie den Ort vorzeitig verlässt. Denn bis jetzt hat es immer so gut, reibungslos und unkompliziert geklappt, denn Müll ist ja genau dafür bestimmt. Nämlich im eigenen Garten verbrannt zu werden.

Nach 27 Minuten genau erlischt die letzte Flamme, welche den Job vom gewissenhaften Recycling erfüllte und hinterlässt nur noch einige Klumpen geschmolzenem Plastik und schwarzer Asche. 

07Dezember
2014

Wellington

Wellington ist gut zu mir. Ich fühle mich nämlich gut hier. Und in Großstädten mag ich eigentlich eher weniger leben. Aber hier ist alles viel gestauchter als in Auckland.

Naja ich lebe hier im Moment so daher, suche täglich nach Arbeit und drucke unzählige Bewerbungen aus. Verbringe Zeit mit der Sonne an der Waterfront, belese mich in der Bibliothek oder geh shoppen in Läden ohne zu shoppen. Die Bibliothek ist eines meiner Lieblingsorte geworden, klar auch wegen der Internetverbindung, aber hauptsächlich weil man da irgendwie so viel Zeit verbringen kann und das keine Verschwendung ist, zu lesen. Am liebsten mag ich die National Libary of Wellington, da fühle  ich mich komischerweise ein bisschen zuhause.

Eine Geschichte, die ich noch ganz vergessen habe aufzuschreiben, handelt von einem alten Mann. Es spielte sich alles an einem der unzähligen Strände während meines zweiten Trips ab und es war besonders sehr doll windig an diesem Tag. Aber nicht nur ein bisschen, sondern sehr doll. Selbst wir hatten Probleme den Berg hochzuklettern, welcher uns einen guten Ausblick auf Meer verschaffte. Der Wind kämpfte stark gegen den Tourismus an diesem Tag. Auf dem Rückweg trafen wir einen alten Mann, der mit seinem Gehstock mit aller Kraft versuchte, den Berg zu erklimmen. Es schien als Außenstehender unmöglich, dass er sicher und gefahrlos seinen Weg hinter sich bringen kann. Wir entschieden, ihm zu sagen, dass der Wind auch oben besonders stark sei. Er lachte nur herzlich und sagte, dann sei es wenigstens eine Challenge. Er stieg diesen Berg seitlich und mit Gehstock stützend also scheinbar an diesem Tag noch bis zum Ende. Ich fand das unglaublich inspirierend, dass das Alter für ihn scheinbar keine Challenge sei. Und danach habe ich mich gefragt, was eigentlich meine Challenge im Leben ist. Wenn man jung ist, dann ist heranwachsen und Erfahrungen sammeln, wohl die größte Challenge. Und jeder hat so seine  persönliche Challenge, welche einen beeinflussen und manchmal auch auf den falschen Weg „beflussen“ können. Was ich aber gerade hier in Wellington an mir selbst sehe, dass es am besten ist, wenn es am schlechtesten ist. Je härter die Challenge, desto stärker bist du danach. Ich weiß nicht, ob ich wirklich stärker bin nach meiner Situation, in welcher ich mich jetzt gerade befinde. Aber das ist meine Challenge, nicht darüber nachzudenken, sondern einfach weiterzumachen und jeden Tag stärker sein, auch wenn der ganze Druck mich eigentlich fast ersticken lässt. Mein spanischer Freund Eduard, welchen ich hier in Wellington machte, sagte mir „Du musst es genießen, die Straße herunterzufahren, wenn du reist.“. Ich dachte mir in dem Moment, ja klar mache ich das, schließlich ist Neuseeland ja recht ansehnlich. Aber danach wurde mir irgendwie klar, dass ich selbst in meiner Situation jetzt gerade, alles genießen sollte, selbst wenn ich mich alleine und schwach fühle. Es gibt fünfhundert schlimmere Sachen, die ich machen könnte oder müsste. Ich genieße jetzt einfach, dass ich Jahre auf die Jobantworten warten muss und nehme mir die Zeit, Sachen zu machen, die mich glücklich machen oder welche ich sonst nicht machen würde, weil man ja immer meint, man hätte nicht genug Zeit für solche Dinge. Kunstausstellungen, zweimal ins selbe Museum, Führungen durchs Parlament, ewige Stunden in der Bücherei oder den fünften Tag in die gleichen Läden gehen und zu shoppen. Was Eduard auch gesagt hat, als wir so nebenbei plauderten, wenn man etwas wolle dann „go for it!“. Und das sagte er mit diesem herrlichen spanischen Akzent, in welchem man das „r“ auch im Englischen rollt. Und weil mein Kopf eh so voll ist, leider meistens mit Stuss, habe ich mir das als Überschrift für jeden neuen Tag gesetzt, vorerst. Go for it – weil überall worin man gut ist, dort kann man auch gewinnen und der Beste sein. Das ist die Theorie, und von der Praxis bin ich noch etwas entfernt, aber die kommt sicherlich ganz bald. So wie Weihnachten.

03Dezember
2014

Mein Weg nach Wellington, 01.12.2014

Ja und jetzt sitze ich hier im Bus Richtung Wellington, in mein neues Zuhause, welches eigentlich ziemlich ungewiss ist. Und mir ist schon beim ersten Satz schlecht geworden, weil der Busfahrer denkt, er sei auf einer Rallye angemeldet worden sein, mit diesem Bus hier, und der Bildschirm immer unruhig hin und her wackelt.

War irgendwie ein richtig komisches Gefühl heute Morgen ausgezogen zu sein. Ich war für kurze Zeit irgendwie gar kein Backpacker und natürlich war es nicht wie daheim Zuhause, aber es war schon dauerhaft. Dachte ich. Aber ich sollte mal wieder daran erinnert werden, dass man hier in Neuseeland nicht planen soll. Und das ist eigentlich auch nicht schlimm, nur mein Weihnachtsfest sehe ich im Moment nicht so goldig.

Naja dann stehe ich also da eben an der Bushaltestelle und warte auf mein Bus, welcher zu spät kam, welches mich wiederum unruhig stimmte, und ja geheult habe ich. Nicht wie ein Kind, aber schon geheult. Und dann fragt ein junger Mann mich, ob alles okay sei und, ob ich eine Umarmung bräuchte. Ich beteuerte, dass es mir gut ginge, heulte aber weiter. Nach 2 Minuten nahm er mich dann in den Arm und sagte, ich brauche ja gar nicht weinen. Und ja witzig ist, dass ich draußen am Bus stehe und heule, aber was ich eigentlich viel beachtlicher finde, wie wundervoll die Menschen hier sind. Ich musste dann natürlich aufhören, weil weinen bringt ja nun wirklich nichts, aber eigentlich war ich viel mehr abgelenkt davon, wie lieb dieser Mann zu mir war, obwohl er mich nicht kannte. Und wenn die Menschen hier so  offen und lieb sind, dann ist das niemals aufdringlich oder, dass man sich bedrängt fühlt. Irgendwie schätze ich das sehr und ich plane schon meine Missionen, dass deutsche Volk zu entgrausen.

Witzig war mein letztes Wochenende hier, am Samstag ging es nämlich wieder auf Turnier. Natürlich wieder mehr als erfolgreich, aber wie soll das auch anders sein. Auf dem Rückweg, da das Radio nicht ging und uns nach Musikhören war,  meinte die Mutter, der einen Freundin „ Mensch Emily, mach doch deine Handy Musik an, dann haben wir Musik bis wir wieder Radio empfangen. Aber nicht so viel Bobby Brown, das mag ja niemand.“. In dem Moment dachte ich mir, omg ich bin nur 20 und ich weiß jetzt schon nicht mehr wer und was cool ist. Ich dachte eigentlich Justin Bieber sei bei 11 jährigen Mädchen noch ganz vorne im Rennen. Aber wer ist Bobby Brown? Es stellte sich dann später raus, dass es sich bei Bobby Brown eigentlich um Chris Brown handelte. Glück für mich, ich bin also noch nicht zu alt, ein coolkid zu sein.

Hinter mir im Bus sitzt gerade ein indisches Kind, welches so ca. 5 Jahre alt ist. Und jetzt wo ich kein Au Pair mehr bin, kann ich Kinder auch wieder scheiße finden. Er schreit die ganze Zeit irgendwelche indischen Sachen herum, Mutti tut so als würde sie schlafen und ich denke mir, schenk dem Kind doch einfach ein iPad zu Weihnachten, damit die nächsten Busfahrten einfacher werden. Und eigentlich finde ich das richtig schrecklich von mir. Aber jetzt versteh ich auch Mütter, welche die Kinder vor der Glotze absetzen. Und ich verstehe, warum Lehrer wie Herr Fillips immer Filme zeigen im Biologieunterricht oder für Stunden in der Sammlung verschwindet. Kinder sind nämlich so energie- und entertainmentsaugend. Aber die sind irgendwie auch so wundervoll und witzig, dass man es irgendwie nicht verpassen will, wie sie jeden Tag wachsen. Und ich bin dankbar für jede Erfahrung, sei sie schlecht oder gut. Denn auch wenn ich immer noch ein Kind bin, bin ich vielleicht ein bisschen an mir gewachsen. Weil man nämlich so gut von Kindern lernen kann und sich erinnern kann. Zum Beispiel mutig zu sein. Was ist das eigentlich, wenn man groß wird? Ja irgendwie nicht mehr vom Dach des Spielhauses zu springen, um zu  gucken, wie doll das eigentlich weh tut. Es ist viel mehr einfach loszufahren und nicht mehr an morgen zu denken. Und keinen Plan zu haben. Und nein, ich denke nicht mehr an den morgigen Tag, weil der irgendwie momentan so ungewiss ist. Aber das heißt nicht, dumme Sachen machen und sich gehen lassen. Denn das gehört eindeutig zu den nicht smarten Entscheidungen, und das Ziel sollte man nie aus dem Auge verlieren. Und was das Ziel ist, ist eigentlich auch ganzschön schwer. Natürlich ist überleben ganz oben auf der Liste, direkt gefolgt von gute Lebensentscheidungen treffen und im Moment im Optimalfall gutes Geld zu verdienen. Aber das sind nur die Dinge, die man in unserem System erfüllen muss, um anerkannt zu sein und ein bisschen die Rolle zu erfüllen. Als wir in der Coromandel feststeckten, da holte uns dann der Gastvater von Nora ab und er hatte einen Freund dabei. Ein etwas älterer Mann, von sehr froher Natur, und in dem Moment war das unglaublich erfrischend, nachdem das Auto nicht mehr fahren wollte. Als wir also nun alle darüber diskutierten, wie wir das Auto am besten auf den Anhänger transportieren sollten und Philipp und George, so heißt nämlich der Freund von dem Vater, darüber sprachen, wo am besten das Gepäck verstaut werden sollte, sagte George nur „ mach dir doch keine Sorgen über das Auto und die Taschen, pass lieber auf deine Mädchen auf“. Und nein Nora und ich waren nicht gemeint, sondern in diesem Zusammenhang Frauen allgemein. Und George hat damit Recht.  Weil man irgendwie viel zu wenig darauf aufpasst, was einem lieb ist. Und die Menschen, die wir lieben, lieben wir gar nicht genug. Die sollten wir nämlich jeden Tag mehr lieben. Und das sollte eigentlich die Basis von „mutig sein“ sein. Denn damit schafft man irgendwie Sicherheit, wenn man seine Menschen liebt, dann ist es irgendwie einfacher mutig zu sein. George sagte das in so einem lustigen Ton und nebenbei, er war sowieso ziemlich witzig, als wir nämlich nach Hause fuhren und die typische Landschaft Neuseelands rechts und links von uns hatten, sagte er plötzlich „oha da ist ja eine ägyptische Pyramide, wie kommt die denn hier hin?“. Dies war eigentlich nur einer der 9283479 Grashügel, welcher jedoch recht spitz und gerade zulief. Und das fand ich irgendwie klasse, das sind nämlich diese Sachen, die nur Kinder sehen können. Dies zeigte mir wiederum, dass der Mann was vom Leben verstanden hat. Es nämlich mit Humor zu nehmen und auch wenn man erwachsen sein muss, trotzdem den Kinderblick für schöne Dinge nicht zu verlieren.

 

 

 

 

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